Business Development Workshop in Kenia

03.10.2017

Claudia Vogel und Manuel Fischer berichten über den erstmalig durchgeführten Einführungsworkshop zum Thema Business Development in Bondo (Afrika), im Rahmen des Programmes Empowering Youth in Business Development (EYBD). Das EYBD-Programm wurde 2017 von einem kleinen departementsübergreifenden Team der BFH in Zusammenarbeit mit der Organisation Teach a Child Africa (TaC) sowie der JOOUST ins Leben gerufen, um kenianische Studierende (insbesondere sozial benachteiligte) zu ermutigen und befähigen innovative Geschäftsideen zu entwickeln.

An einem Montagmorgen, Mitte Juli diesen Jahres trafen sich 31 erwartungsvolle kenianische Studentinnen und Studenten verschiedener Universitäten an der Jaramogi Oginga Odinga University of Science and Technology (JOOUST) im kleinen westkenianischen Städtchen Bondo. Sie alle hatten sich erfolgreich für einen einwöchigen Einführungsworkshop zum Thema Business Development beworben. Zwei Tage zuvor hatten sich drei INU-Mitarbeitende und eine Mitarbeiterin des Departements HAFL der BFH wohl ebenso erwartungsvoll auf den langen Weg von Bern nach Bondo gemacht. Nach langer Planung war es an der Zeit, den Workshop im Rahmen des Programms Empowering Youth in Business Development (EYBD) erstmalig durchzuführen.

Das EYBD-Programm wurde 2017 von einem kleinen departementsübergreifenden Team der BFH in Zusammenarbeit mit der Organisation Teach a Child Africa (TaC)* sowie der JOOUST ins Leben gerufen, um kenianische Studierende (insbesondere sozial benachteiligte) zu ermutigen und befähigen innovative Geschäftsideen zu entwickeln. Kenia hat eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit und auch ein Universitätsabschluss gibt keine Jobgarantie. Viele Studierende kämpfen darüber hinaus mit finanziellen Problemen. Selbst wenn sie ein Stipendium erhalten, deckt dies in den meisten Fällen nur die Studiengebühren, nicht jedoch Lebenshaltungskosten oder für das Studium nötige Materialien. Nicht selten müssen deshalb insbesondere sozial benachteiligte Studierende ihr Studium unterbrechen oder ganz abbrechen, was ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt noch verschlechtert.

Self-Employment gilt als eine Lösung sowohl während als auch nach dem Studium den eigenen Lebensunterhalt zu sichern. Allerdings ist das an den Universitäten vermittelte Wissen oft sehr theoretisch und wenig praxistauglich. Der Wunsch nach praxisnaher Bildung und Förderung von Unternehmertum ist dementsprechend hoch. Das noch in der Entwicklung stehende EYBD-Programm hat zum Ziel, einen Beitrag zu diesem doppelseitigen Bedarf zu leisten, der Workshop ist ein erster Schritt.

Während einer Woche arbeiteten die Studierenden in sechs interdisziplinären Teams höchst motiviert an der Identifikation von „Marktlücken“ und der Entwicklung von möglichen Geschäftsideen. Unzählige Ideen – von naheliegenden bis völlig ausgefallenen – wurden entworfen, diskutiert, von potentiellen Kunden und anderen Stakeholdern beurteilt und oftmals schweren Herzens wieder verworfen. Die Herausforderungen für die Studierenden waren dabei vielfältig: Neben erwarteten Herausforderungen wie beispielsweise Zusammenarbeit mit anfänglich fremden Mitstudentinnen und -studenten unterschiedlicher Disziplinen, Anpassung an völlig neue und ihnen bisher unbekannte Lehr- und Lernmethoden und lange und sehr intensive Unterrichtstage, sahen sie sich regelmässig auch unerwarteten Problemen gegenübergestellt. So lösten etwa zwei Studierende, welche eigentlich nur Verkäufer auf dem Markt zu ihrer Idee befragen wollten, ein mittleres Chaos aus, da einige Händler sie aufgrund ihrer Namenschilder für Behördenvertreter hielten und panikartig flohen oder ihre Geschäfte schlossen.

Dieses „Hinausgehen“, um die persönlichen Vermutungen sowie die im Klassenzimmer entwickelten Ideen in der „realen Welt“ zu testen, bildete ein zentrales Element dieses Workshops, welcher auf verschiedenen methodischen Ansätzen basiert und speziell für Studierende in Kenia entwickelt wurde. Nicht das Gestalten eines ausgereiften Geschäftsmodells oder Business-Plans stand im Vordergrund dieses Einführungsworkshops, sondern die Förderung eines „Entrepreneurship Mind-Sets“ und das Erlernen von einfachen Techniken für das Erkennen und Entwickeln von potentiell erfolgreichen Geschäftsideen.

Am zweitletzten Tag hatte sich jede Gruppe auf ein Produkt oder eine Dienstleistung geeinigt, die ihnen am vielversprechendsten zum Weiterentwickeln erschien. Diese musste nun möglichst anschaulich visualisiert werden. Dazu wurden fleissig Modelle gebaut, Skizzen entworfen und Kosten-Nutzen-Analysen grafisch dargestellt. So ausgerüstet wurde dann ein weiteres Mal auf dem Markt, an der Bushaltestelle, auf dem Campus oder wo auch immer die potentielle zukünftige Kundschaft vermutet wurde, nach ihrer Beurteilung und Zahlungsbereitschaft befragt. Aufgrund der dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden die Ideen ein letztes Mal weiter verfeinert.

Den abschliessenden Höhepunkt des Workshops bildete die Präsentation der entstandenen Ideen. Jede Gruppe konnte die Resultate ihrer viertätigen, sehr intensiven Arbeit nun einer Jury, bestehend aus vier sachkundigen Professoren, in einer zweiminütigen Präsentation vorstellen. Jede Idee wurde anschliessend ausgiebig von der Jury examiniert. Kein Wunder, waren die Studierenden schon Stunden zuvor sehr nervös und feilten bis zur letzten Minute an den Details der Präsentationen.  Am Ende der Präsentation fiel der Jury die schwere Aufgabe zu, einen Gewinner aus den verschiedensten Geschäftsideen wie beispielsweise „TAMUFRUITS – Fruit Salad Delivery Service“, der App „M-Tec“, welches Kleinbauern nützliche Informationen für wichtige Entscheidungen liefern soll, oder einer solarbetriebener Kühlbox für Busse und Matatus (kenianische Sammeltaxis) zu küren. Die Jury entschied sich zuletzt für die Idee “Day Care Service with an integrated Maid Agency”.

Alle Gruppen werden die Möglichkeit haben regelmässige Coachings durch das EYBD-Team oder die beteiligten Dozierenden der JOOUST in Anspruch zu nehmen, um Ihre Ideen weiterzuentwickeln. Anfang Januar werden zwei der Coaches nochmals einen Tag an der JOOUST verbringen und den Stand der Projekte evaluieren und das weitere Vorgehen mit den Studierendengruppen besprechen. Dabei wird es vor allem darum gehen, die Ideen zu Business Plänen weiterzuentwickeln, die dann potentiellen Investoren präsentiert werden können. Eine mit JOOUST in Kooperation stehende Bank hat bereits Interesse angemeldet. Darüber hinaus sollen die Teilnehmer des ersten Workshops auch als Mentoren für künftige Durchführungen gewonnen werden.

Auch wenn der Weg zu tragfähigen Unternehmen aus dem Workshop noch weit ist, kann der Workshop als Erfolg gewertet werden. Die Rückmeldungen aller Beteiligten, aber vor allem auch die Reaktionen nicht-beteiligter Studierender, Professoren und Führungspersonen der JOOUST waren sehr positiv. Es besteht grosses Interesse den Workshop zu wiederholen und daraus ein umfangreicheres Programm zu entwickeln und in das Curriculum aufzunehmen. Die am Workshop teilnehmenden Alumni der Organisation TaC werden an der Jahresversammlung aller TaC-Stipendiaten einen weiteren Workshop organisieren um ihr neuerworbenes Wissen mit ihren Kollegen zu teilen.

Für das Projektteam steht in den kommenden Monaten die Weiterentwicklung und die Sicherstellung der ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit des Programmes im Fokus. Einige Ideen bestehen bereits. Diese gilt es zu konkretisieren, während weitere laufend dazukommen.


* Teach a Child – Africa (TaC) ermöglicht begabten AIDS-Waisen aus der westkenianischen Region Nyanza den Besuch des vierjährigen Gymnasiums. Seit 2010 konnten bereits 66 Jugendliche das Gymnasium erfolgreich abschliessen, und rund 80% von ihnen ist der Sprung an eine Universität oder ein College gelungen. 2017 besuchen 82 Jugendliche das Gymnasium.