Fachbereich Wirtschaft zieht im August 2014 um: „Chance des neuen Standorts nutzen“

05.05.2014

Das Amt für Gebäude und Grundstücke des Kantons Bern hat den Terminplan bestätigt: Im August 2014 (Woche 34 bis 36) zieht der Fachbereich Wirtschaft an die Brückenstrasse 69-73 im Berner Marzili-Quartier. Jürg Römer, Leiter des Fachbereichs Wirtschaft im Interview.

Jürg Römer, in wenigen Monaten steht dem Fachbereich Wirtschaft ein Adresswechsel bevor. Worauf freuen Sie sich am neuen Standort?

Ich freue mich insbesondere darauf, dass künftig alle Mitarbeitenden in einem Haus, unter einem Dach sein werden. An der Morgartenstrasse ist das 150-köpfige Team auf zwei, wegen des Aussenaufgangs im Institutsgebäude faktisch sogar auf drei Häuser verteilt. Dies ist für die Zusammenarbeit, besonders für den informellen Austausch beim Kaffee alles andere als ideal. Was ich einmal an einer Fachbereichskonferenz geäussert habe „Es muss mehr Kaffee getrunken werden!“ wird sich an der Brückenstrasse wesentlich besser umsetzen lassen. Kreative Ideen entstehen meist nicht an Sitzungen mit einer fixen Geometrie, sondern eher im lockeren Gespräch, eben beim Kaffee oder wenn man sich zufällig auf dem Gang trifft. Wir sollten die Chance, die der neue Standort bietet, in einem intimeren, campus-ähnlicheren Rahmen zu arbeiten, unbedingt nutzen. Die Anlage im Marzili ist auch weitaus einladender für die Studierenden, etwa Gruppenarbeiten gerade im Campus zu erledigen, statt ausserhalb.

Was macht den Umzug des Fachbereichs Wirtschaft notwendig?

Es gibt zwei Gründe: Einerseits der bauliche Zustand der Gebäude an der Morgartenstrasse. Diese sind sanierungsbedürftig, wenn man schon nur an die ungenügende Isolation mit kalten Räumen im Winter und heissen im Sommer denkt. Um einen vorübergehenden Auszug während einer umfassenden Renovation wären wir deshalb nicht herum gekommen. Die Vermieterin erklärte sich aber ausserstande, diese Sanierungen vorzunehmen oder wollte die Kosten auf den Kanton abwälzen. Der langfristig wichtigste Grund sind, zweitens, die laufenden Kosten. Der Gebäudekomplex an der Morgartenstrasse gehört der Stadt Bern, der Mietpreis ist sehr hoch. Die Mietkosten einer kantonseigenen Liegenschaft sind weitaus günstiger.

Weshalb hat man gerade die Brückenstrasse gewählt?

Wie erwähnt stand nur eine kantonseigene Liegenschaft in Bern zur Diskussion, die Auswahl war deshalb sehr klein. Der Gebäudekomplex an der Brückenstrasse ist seit dem Auszug der Pädagogischen Hochschule Bern 2013 frei. Gemäss den geltenden Standards, wie sie auch in den geplanten Neubauten der BFH zur Anwendung kommen, bietet er ausreichend Platz und ist zudem mit 10 bis 15 Minuten Fussweg vom Hauptbahnhof Bern zentral gelegen.

Wie sieht der künftige Standort aus?

Er besteht aus drei Gebäuden; einem dreigeschossigen Hauptgebäude mit Anbau, einem zweigeschossigen Pavillon und einem Turnhallengebäude. Momentan laufen diverse Sanierungsarbeiten: So werden beispielsweise Wände, Böden und Decken erneuert und eine kontrollierte Lüftung eingebaut. Im Hauptgebäude sind im Erdgeschoss unter anderem Aula, Unterrichtsräume, Bibliothek und Empfang untergebracht, im ersten Stock sind die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden. Im zweiten Stock sind weitere Unterrichtsräume und ein Hörsaal. Im zweigeschossigen Pavillon befinden sich Unterrichtsräume und die Mensa mit Terrasse, an die ein Sportplatz angrenzt. Dank der energietechnisch besseren Bausubstanz, der Beschattung durch einen alten Baumbestand und die mit Aarewasser gekühlte Lüftung werden die klimatischen Verhältnisse trotz dichterer Belegung wesentlich besser sein als an der Morgartenstrasse. Im Turnhallengebäude befinden sich Duschen und Garderoben, von denen ein Teil durch Mitarbeitende genutzt werden kann. Dies wird es erlauben, beispielsweise in der Mittagszeit Sport zu treiben.

Was erwartet die Studierenden an der Brückenstrasse?

Eine Business-School im Grünen, die gleichzeitig im Herzen von Bern liegt, ja geradezu im Schweizer Machtzentrum unter dem Bundeshaus! Die Lage im Marzili-Quartier und die Umgebung sind sehr schön, gerade in den Sommermonaten. Wir werden an der Brückenstrasse sicher eine Atmosphäre haben, die positiv für das Studium ist. Es ist etwas ruhiger, was fürs Lernen, für Gruppenarbeiten und Prüfungen ein Vorteil ist. Im Stade de Suisse fanden im Sommer zu Prüfungszeiten oftmals gleichzeitig Konzerte statt. Das war für die Studierenden alles andere als ideal. An der Brückenstrasse erwartet die Studierenden eine etwas andere Raumaufteilung. Die technische Einrichtung wird moderner sein. Es gibt mehr Möglichkeiten, sich zu treffen und für Gruppenarbeiten. Die Mensa wird weiterhin vom Ängelibeck betrieben, der das Angebot gegenüber der Morgartenstrasse ausweiten wird. Auch an der Brückenstrasse werden die Studierenden übrigens mit Badge 7x24 Stunden Zutritt zum Gebäude haben.

Was wird sich für die Mitarbeitenden ändern?

Es stehen 120 fixe Arbeitsplätze zur Verfügung, also gleich viel wie im Wankdorf. Weiter sind rund 20 zusätzliche Arbeitsplätze vorhanden für Mitarbeitende mit kleinen Pensen, beispielsweise Lehrbeauftragte. Die meisten Büros sind für sechs Personen ausgelegt, Einzelbüros wird es weiterhin nur sehr wenige geben. 

An der Morgartenstrasse waren die Mitarbeitenden der drei Leistungsbereiche Lehre, Forschung und Dienstleistung sowie Weiterbildung räumlich getrennt. Wird es an der Brückenstrasse eine ähnliche Aufteilung geben?

Nein, wir möchten keine Trennung. Viele Mitarbeitende sind beispielsweise faktisch in beiden Instituten tätig. Fixe Grenzen soll es deshalb keine geben. Mir ist wichtig, dass an der Brückenstrasse die Gelegenheit, in Teams zu arbeiten und zu leben, genutzt wird. Unter Teams verstehe ich keine abgeschotteten, selbstreferenziellen Einheiten. Es wird zwar Kompetenzteams geben, die meist auch in Büros zusammenfinden werden. Erleichtert wird aber vor allem die Zusammenarbeit in gemischten Teams, wie sie einzelne Lehrvorhaben und Projekte verlangen. Gegenwärtig werden gerade die Bedürfnisse ausgewertet, die durch die Befragung von Vertretungen der Modulgruppen und Institute erhoben wurden. Sicher wird man nicht alle Wünsche erfüllen können. Wir werden jedoch eine möglichst sinnvolle, aber fixierte Initialkonfiguration vorgeben, damit wir geordnet umziehen können. Im täglichen Betrieb wird sich dann wohl „Optimierungspotenzial“ zeigen. Die Bürobelegung wird sich im Leben am neuen Standort einem Optimum annähern und auch nach Bedarf verändern.

Noch laufen die Sanierungsarbeiten. Der Zeitplan dafür ist eng. Besteht die Gefahr, dass der Fachbereich Wirtschaft im Sommer auf eine Baustelle ziehen wird?

Dem Amt für Gebäude und Grundstücke wurde klar kommuniziert, dass alle lärmigen oder invasiven Arbeiten abgeschlossen sein müssen, wenn wir in Woche 37 mit den Einführungstagen, in Woche 38 mit dem Semester starten sollen. Ich gehe deshalb davon aus, dass nach dem Umzug höchstens noch kleinere Arbeiten ausgeführt werden.  Es ist unmöglich, Lehre durchzuführen wenn parallel beispielsweise noch Kernbohrungen die Gebäude erschüttern. 

Ein Umzug mit 150 Mitarbeitenden und über tausend Studierenden ist ein ambitioniertes Projekt…

Die Einrichtungs- und Umzugsplanung wird durch eine externe Unternehmung, die Integrale Kommunikations-Beratung AG in Bern IKB geplant und koordiniert. Die IKB, geleitet von einem ehemaligen Absolventen des Fachbereichs, hat grosse Erfahrung mit solchen Projekten und beste Referenzen. Eines kann ich aus mehrfacher Erfahrung sagen: Ein Umzug muss sauber geplant werden, sonst endet er im Chaos. Anderseits ist klar und ich rechne damit, dass nicht immer alles zu hundert Prozent klappt. Ist die Planung gut, können chaotische Momente überbrückt werden. Ich bin deshalb sehr zuversichtlich, dass der Umzug mit einer sauberen Vorbereitung, auch von Seiten der Mitarbeitenden, gut über die Bühne gehen wird.

Interview: Lilly Toriola, Kommunikation Fachbereich Wirtschaft