eGov Fokus 2/2014: Finanzierung und Steuerung im E-Government

Datum:Freitag, 19. September 2014
Zeit:9.00-15.40 Uhr (anschliessend Apéro)
Ort:Hotel Bern, 2. Stock Unionsaal, Zeughausgasse 9, 3011 Bern  Website


Allgemeine Informationen

In der Schweiz und der EU wird nach privatwirtschaftlichen Geschäftsmodellen für E-Government gesucht, während in den USA und in Österreich das Public Value Konzept immer populärer wird. Länder wie Norwegen forcieren das Thema Public Innovation. Klar ist überall, dass durch die gemeinsame Bereitstellung von E-Government Basisdiensten riesige Summen gespart werden können – vor allem in stark föderal organisierten Ländern wie der Schweiz, Österreich und Deutschland.

Inhalt und Ziele der Veranstaltung

Die Finanzierung von E-Government Projekten ist eine der Hauptherausforderungen im Schweizer E-Government. Als noch schwieriger erweist sich oft die Finanzierung des Betriebs von bereits entwickelten Basisdiensten, da gute Geschäftsmodelle fehlen. Wir stellen praktische Lösungen für die Finanzierung und Steuerung des E-Governments aus der Schweiz und dem Ausland vor.

Zielpublikum

Die Veranstaltung wird vom E-Government-Institut der Berner Fachhochschule organisiert. Sie richtet sich an Mitarbeitende der öffentlichen Verwaltung (Bund, Kantone, Städte und Gemeinden), an Politikerinnen und Politiker, an Dienstleister aus der Privatwirtschaft sowie an praxisinteressierte Wissenschaftler.


09.40 – 10.10

Prof. Dr. Reinhard Riedl

Wissenschaftlicher Leiter des Fachbereichs Wirtschaft, Berner Fachhochschule

Einführungsvortrag "Geschäftsmodelle und Public Value Orientierung im E-Government"

Das Public Value Konzept der Kennedy School of Government (Harvard University) und der am Center for Technolgy in Government (University of Albany) entwickelte Portfolio-Assessment-Prozess zeigen neue Perspektiven auf die Finanzierung und Steuerung von E-Government auf. Diese sind auch dort von grosser praktischer Bedeutung, wo durch interförderale Partnerschaften und durch PPP (Private-Public-Partnerships) neue Geschäftsmodelle für E-Government entstehen. Und sie ermöglichen eine effektivere Steuerung von Projekten und Programmen und einen guten, vorausschauenden Umgang mit Widerständen. In diesem Vortrage werden die strategischen Optionen für die Finanzierung und Steuerung mit Public Value Geschäftsmodellen vorgestellt.

Präsentation von R. Riedl


10.15 – 10.45

Dr. Christian Mrugalla

Leiter der Geschäftsstelle des IT-Planungsrats im Bundesministerium des Innern, Berlin

Der deutsche IT-Planungsrat - Chancen und Herausforderungen der föderalen IT-Steuerung

Im Jahr 2009 wurde das deutsche Grundgesetz ergänzt, um intensivere Kooperation in der IT in Bund, Ländern und Kommunen zu ermöglichen. Seit 2010 ist der IT-Planungsrat das oberste übergreifende IT-Gremium der deutschen Verwaltung. Er führt gemeinsam finanzierte Projekte durch und stellt gemeinschaftliche Anwendungen zur Verfügung. Eine Zwischenbilanz zeigt vielerorts Fortschritte. Es werden aber auch organisatorische und finanzielle Herausforderungen deutlich, die für eine effektivere Steuerung überwunden werden müssen. Lösungsansätze werden diskutiert.

Präsentation von Ch. Mrugalla


11.15 – 11.45

Marianne Fraefel

Projektleiterin, Bundesamt für Justiz

eOperations Schweiz: Organisation und Finanzierung gemeinschaftlich genutzter E-Government Lösungen

Government in der Schweiz entwickelt sich am effizientesten, wenn gemeinschaftliche Lösungen über territoriale Grenzen und föderale Ebenen hinweg aufgebaut und genutzt werden. Das Projekt prüft die Idee, mit eOperations Schweiz eine von Bund und Kantonen getragene Organisation ins Leben zu rufen, die die operative Umsetzung von kooperativen Vorhaben im Aufbau und v.a. im Betrieb unterstützt. Die Dienstleistungen von eOperations Schweiz sind darauf ausgerichtet,  die organisatorische, betriebliche und finanzielle Abwicklung von kooperativen IT-Vorhaben der Verwaltung zu vereinfachen. eOperations Schweiz soll entsprechende Kompetenzen anbieten und Mechanismen gewährleisten, die die zuverlässige Bereitstellung gemeinsam genutzter Lösungen verbessert. Damit soll erreicht werden, dass Synergien über eine Zusammenarbeit mit eOperations Schweiz besser erschlossen und die Wirtschaftlichkeit im E-Government insgesamt erhöht werden kann. Ziel des Projekts ist es, ein Lösungskonzept für den Aufbau von eOperations Schweiz zu entwickeln und dem Steuerungsausschuss E-Government Schweiz im Herbst zu unterbreiten.

Präsentation von M. Fraefel


11.50 – 12.40

Werner Möckli

eidg. dipl. Bankfachexperte / Advanced Executive Program SFI, Geschäftsführer SIX Terravis AG

Business Case für E-Government-Vorhaben – Terravis, ein Fallbeispiel aus der Praxis

Eine Idee zur Verbesserung der Effizienz der Verwaltung im E-Government-Umfeld garantiert noch keinen wirtschaftlichen Erfolg. Das Vorhaben muss ausgereift, die wichtigsten Fragen und Herausforderungen müssen adressiert und aus einem zukunftsgerichteten Blickwinkel beantwortet sein. Relevanz und Wichtigkeit von Business Cases im E-Government-Umfeld sollen am Beispiel des Projekts eGRIS bzw. Terravis verständlich aufgezeigt werden. Denn ein guter Business Case ist die Basis für ein erfolgreiches Projekt und einen späteren, gesicherten Betrieb.

Präsentation von W. Möckli


14.00 – 14.30

Dipl.-Ing. Franz Grandits

bis Juli 2014 E-Government-Beauftragter des Landes Steiermark
Leitung der nationalen E-Government-Kooperation zusammen mit dem BKA und der Gemeinde Wien

Finanzierung und Steuerung von übergreifenden E-Government-Systemen in Österreich

Die gebietskörperschaftsübergreifende E-Government-Kooperation wird durch eine Vereinbarung aus dem Jahr 2002 geregelt. Diese Vereinbarung ist die Grundlage für die ausgezeichnete Position Österreichs im europäischen Ranking. Ein weiterer wesentlicher Baustein war die gemeinsame Entwicklung eines E-Government-Masterplans im Jahre 2003. In den letzten Jahren wurden darüber hinaus Grundsätze für die Implementierung übergreifender Systeme festgelegt. Für die Finanzierung gemeinsamer Systeme fehlt allerdings eine einheitliche Regelung.

Im Referat werden die Finanzierungsmodelle einiger wichtiger übergreifender Systeme dargestellt und die Korrelation zur Steuerung der zugehörigen Projekte hergestellt.

Präsentation von F. Grandits


14.35 – 15.05

Peter Trachsel

Stv. Leiter Informatiksteuerungsorgan Bund

IKT-Steuerung und Standarddienste in der Bundesverwaltung

Das Referat zeigt auf, wie sich die IKT-Governance der Bundesverwaltung in den letzten Jahren entwickelt hat. Es beschreibt aus Sicht des Informatiksteuerungsorgan Bund (ISB) die Erfahrungen, Chancen und Risiken mit den nun aktuellen Prozessen, Organisationen, Methoden und Werkzeugen, insb. was die seit 2012 vom Bundesrat verordnete Führung von IKT-Standarddiensten angeht. In diesem Rahmen wird auch auf aktuelle Themen wie IKT-Projektabwicklung, IKT-Sicherheit, eGovernment etc. eingegangen.

Präsentation von P. Trachsel


15.10 – 15.40

Prof. Dr. Klaus Lenk

Universitätsprofessor (em.) für Verwaltungswissenschaft, Universität Oldenburg, Deutschland

Warum Modellkonzepte im E-Government so oft scheitern und welche Schlüsse wir daraus ziehen sollten

Die Gründe für das Scheitern von E-Government-Projekten sind gut erforscht. Dennoch scheitern viele von ihnen nach wie vor. Woran liegt das? Gesamtstaatliche Architekturmodelle wie "Vernetzte Verwaltung Schweiz" (Kurzfassung in Dokument eCH-0176) oder – für Deutschland  – "Stein-Hardenberg 2.0" zeigen, wie eine moderne öffentliche Verwaltung aussehen könnte. Die dort dargelegten und auf die kontinentaleuropäische Realität bezogenen organisatorischen Gestaltungspotenziale von E-Government sind aber schwer zu realisieren. Denn sie erfordern neue Modelle der Kooperation über die Verwaltungsebenen hinweg und auch mit Privaten. Für die Akteure wird damit der eigene Entwicklungspfad samt der früheren Investitionen auf den Prüfstand gestellt. Einen leichter begehbaren Weg bietet die Schaffung grundlegender Infrastrukturen wie z.B. harmonisierte Basisregister, Prozessbausteine und Services, die ebenenübergreifend nutzbar sind. Ihr nachhaltiger Aufbau ist eine öffentliche Aufgabe, deren Organisation und Finanzierung sichergestellt werden kann.

Präsentation von K. Lenk