Liebe Leserinnen und Leser
Ein Kanadier oder eine Russin wundert sich, dass man in der Schweiz so bald an Grenzen stösst. Die 220 Kilometer der grössten Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung bedeuten in Kanada oft die Distanz zur nächsten grösseren Stadt. Die 350 Kilometer West-Ost entlocken einer Frau, die in einem sibirischen Dorf aufgewachsen ist, nicht einmal ein müdes Lächeln.
Bildlich gesprochen genügt ein Schritt, und wir sind im Ausland. Fast sprichwörtlich wird jeder zweite Franken im Ausland verdient. Allerdings würde man wohl besser sagen, dass der erste Franken aus der weiten Welt stammt, weil es ohne ihn in der rohstoffarmen, dichtest bevölkerten Schweiz gar keinen zweiten zu verdienen gäbe, sondern vielleicht nur 50 Rappen.
Deshalb hat sich die Berner Fachhochschule in den letzten Jahren forciert international ausgerichtet. Das war nicht immer so, wie sie dem Steckbrief eines ehemaligen Absolventen (S. 37) entnehmen können. Diese Öffnung war und ist eine Notwendigkeit. Sie hat aber viel mehr gebracht, als angestrebt wurde. Nicht nur Landesgrenzen, sondern auch «Denk- und Fühlgrenzen» wurden von Studierenden und Dozierenden überschritten. Die Interna- tionalisierung des Lehrkörpers, die neugierigen ausländischen und inländischen Studenten führen zu mehr Grenzabbau als Verträge. Dies geschieht zum Wohl der Wirtschaft, die unsere Absolventinnen und Absolventen beschäftigt.Das «Präsenz» hat sich in letzter Zeit verändert. Sie wird zunehmend durch Mitarbeitende und Studierende gestaltet und spiegelt ein weites Meinungsspektrum, das sich nicht in jedem Fall mit den «offiziellen» Ansichten deckt und nicht decken soll. Die Redaktion beschränkt sich auf die Qualitätssicherung. Auch hier soll es keine unnötigen Grenzen geben.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre dieses Hefts, das Ihnen Beispiele für Grenzüberschreitungen in mancherlei Hinsicht bietet.
Prof. Dr. Jürg Römer
Leiter Fachbereich Wirtschaft
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