Kundenmagazin Präsenz


Liebe Leserinnen, liebe Leser

Wie das Profil der Schweizer Fachhochschulen heute aussieht? «Forschungsbasiert und praxisorientiert», so meine spontane Antwort. Um jedoch Theorie und Praxis stimmig zu vereinen, bedarf es Pragmatismus. Die vorliegende Ausgabe der «Präsenz» widmet sich
ganz diesem Thema.
Ist von Pragmatismus die Rede, sprechen wir meist von vermeintlich praktischem Handeln, das die theoretische Vernunft dominiert (Seite 9). So assoziiert ist es jedoch mit Bestimmtheit ein irreführendes Prinzip. Denn vielmehr ist Pragmatismus eine philosophische Lehre. Sie misst die Gültigkeit von Theorien, Konzepten und Ideen an deren praktischem Nutzen und am Erfolgin der Realität (Seite 10). So verstanden passt die pragmatische Denkrichtung ausgezeichnet in das hoffentlich noch weithin bestehende Selbstverständnis der Schweizer
Fachhochschulen, deren Aufbauorganisation den vermeintlich konkurrenzierenden Ausrichtungen von Theorie und Praxis Folge leisten soll (Seite 18). Mitarbeitende an Fachhochschulen sind gefordert, die Balance zwischen Zielkonflikten und Zielharmonien zu finden. Zielkonflikte manifestieren sich durch unterschiedliche Anforderungen an die Dozierenden und deren Kompetenzen, die jeder Einzelne von ihnen idealerweise vereinen soll (Seite 14). Zielharmonien werden ersichtlich, wenn Erkenntnisse und Erfahrungen aus Forschungs-und Dienstleistungsprojekten den Studierenden unmittelbar zugutekommen (Seite 8). Sei es in der grundständigen Lehre oder auch in der Weiterbildung (Seite 35). Um das zu ermöglichen, brauchen alle Mitarbeitenden eine ganzheitliche Perspektive ihrerAktivitäten. Nur so können wir dem Anspruch «forschungsbasiert und praxisorientiert» gerecht werden. Das Spannungsfeld Pragmatismus eröffnet modernen Fachhochschulen eine breite Palette an Handlungsfeldern. Wichtig dabei ist, den praktischen Nutzen unserer Aktivitäten, unserer Aussenwirkung laufend kritisch zu beleuchten – ja, echten Pragmatismus zu leben.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Spass bei der Lektüre dieser Ausgabe.

Prof. Philipp Berchtold
Leiter Fachbereich Wirtschaft a. i

 

Präsenz-Ausgabe 2/2016 "Pragmatismus"